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2011: Hans Joachim Schädlich

Die Jury des Joseph-Breitbach-Preises, den die Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und die Stiftung Joseph Breitbach gemeinsam vergeben, hat in ihrer Sitzung am 15. April 2011 den Schriftsteller Hans Joachim Schädlich als diesjährigen Preisträger benannt. Hans Joachim Schädlich wird für sein literarisches Gesamtwerk ausgezeichnet.
Der Preis ist in diesem Jahr mit 50.000 € dotiert. Die Preisverleihung findet am 23. September 2011 im Stadttheater Koblenz statt. Die Laudatio hält Ruth Klüger.
Zur Verleihung ergeht noch eine gesonderte Einladung.

Begründung der Jury:
Hans Joachim Schädlich sucht die Deformation des Menschen durch repressive und manipulative Verhältnisse dort auf, wo sie unverfälscht ans Licht kommt: in beschädigter Sprache. Ein Proteus unter den Spracharbeitern, entwirft er Redemuster - Buch um Buch aufs Neue - die unwissentlich Wahrheit kundtun. Jeder seiner Prosatexte ist ein Kosmos kunstvoll falsch gesetzter Töne, Stachel im trägen Fleisch sprachlicher Übereinkünfte, und durchflackert von Ironien. Die große Kunst dieses Autors besteht darin, dass seine Texte nichts abbilden und nichts nachbilden, aber ihr völliges Erfundensein direkt von den Vitalkräften des Lebens gespeist zu sein scheint. Seit Erscheinen seiner ersten Texte 1977 ist er modern, den wechselnden literarischen Moden allein durch Selbsttreue und Liebe zur Wahrheit eine Reflexionslänge voraus. Seine Bücher, von ›Tallhover‹ (1986), einem aus Aktenvermerken zusammengesetzten Seelenbild des ewigen Spitzels, bis zu ›Kokoschkins Reise‹ (2010), einer minimalistischen Bilanz aller Schrecken des zwanzigsten Jahrhunderts, besitzen die Kraft und unmittelbar evidente Gültigkeit der Parabel. Hans Joachim Schädlich ist der große Erzähler unter den Nichterzählern: ein Lakoniker ohne die sonst unvermeidliche Mitgift des Sentimentalen, der aus Sprödheit musikalische Funken schlägt, mit höchster Künstlichkeit zu fiebernder Teilnahme nötigt, mit Sirenentönen zur Reflexion verlockt.

Biographie:
Hans Joachim Schädlich, 1935 in Reichenbach (Vogtland) geboren, studierte Germanistik in Berlin und Leipzig und promovierte mit einer Arbeit über ›Die Phonologie des Ostvogtländischen‹ (1966). Von 1959 bis 1976 war er an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften tätig, anschließend als freier Übersetzer. In der DDR nicht veröffentlicht und als Unterzeichner der Biermann-Resolution attackiert, konnte Schädlich im Dezember 1977 in die Bundesrepublik ausreisen. Seit 1979 ist er in Berlin ansässig.
Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Auszeichnungen:
  • 1977 Rauriser Literaturpreis
  • 1979 Förderpreis zum Andreas-Gryphius-Preis
  • 1986 Marburger Literaturpreis
  • 1989 Thomas-Dehler-Preis
  • 1992 Johannes-Bobrowski-Medaille
  • 1992 Heinrich-Böll-Preis
  • 1995 Hans-Sahl-Preis
  • 1996 Kleist-Preis
  • 1998 Schiller-Gedächtnispreis
  • 2003 Lessing-Preis des Freistaates Sachsen
  • 2004 Hoffmann-von-Fallersleben-Preis
  • 2007 Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
  • 2007 Preis der SWR-Bestenliste
  • 2007 Literaturpreis der Stadt Bremen
  • 2010 Corine (Literaturpreis)
Veröffentlichungen:
  • Versuchte Nähe. Reinbek: Rowohlt 1977
  • Der Sprachabschneider. Mit Zeichnungen von Amelie Glienke. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1980
  • Irgend etwas irgendwie. Zehn Texte. Mit Zeichnungen von Gunter Böhmer. Assenheim: BrennGlas 1984
  • Mechanik. Mit Zeichnungen von Gunter Böhmer. Assenheim: BrennGlas 1985
  • Tallhover. Reinbek: Rowohlt 1986
  • Ostwestberlin. Prosa. Reinbek: Rowohlt 1987
  • Schott. Reinbek: Rowohlt 1992
  • Über Dreck, Politik und Literatur. Aufsätze, Reden, Gespräche, Kurzprosa. Auswahl: Thomas Geiger. Fotos: Renate von Mangoldt. Berlin: Literarisches Colloquium 1992
  • Mal hören, was noch kommt. Jetzt, wo alles zu spät is. Zwei Erzählungen. Reinbek: Rowohlt 1995
  • Der Kuckuck und die Nachtigall. Ein Märchen. Göttingen: Wallstein 1996
  • Vertrauen und Verrat. Göttingen: Wallstein 1997
  • Trivialroman. Reinbek: Rowohlt 1998
  • Gib ihm Sprache. Leben und Tod des Dichters Äsop. Reinbek: Rowohlt 1999
  • Zwischen Schauplatz und Elfenbeinturm. Göttingen: Wallstein 2001
  • Anders. Roman. Reinbek: Rowohlt 2003
  • Der andere Blick. Aufsätze, Reden, Gespräche. Ausgewählt von Hans Georg Heepe. Reinbek: Rowohlt 2005
  • Vorbei. Drei Erzählungen. Reinbek: Rowohlt 2007
  • Mechanik. Fritz. Hrsg. und kommentiert von Theo Buck. Ditzingen: Reclam 2009
  • Kokoschkins Reise. Reinbek: Rowohlt 2010