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2006: Wulf Kirsten

Die Jury des Joseph-Breitbach-Preises, den die Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und die Stiftung Joseph Breitbach gemeinsam vergeben, hat in ihrer Sitzung vom 22. April 2006 den 1934 in Klipphausen bei Meißen geborenen und in Weimar lebenden Schriftsteller Wulf Kirsten als diesjährigen Preisträger benannt. Der Preis ist in diesem Jahr mit 50.000 € dotiert. Die Preisverleihung findet am 22. September 2006 im Stadttheater Koblenz statt.

Begründung der Jury:
»Mit Wulf Kirsten zeichnet die Jury einen Lyriker aus, der der Naturdichtung eine völlig neue Stimme gegeben hat und gleichwohl in der Tradition von Peter Huchel und Johannes Bobrowski steht. Schon mit seinem ersten – 1970 erschienenen – Lyrikband ›satzanfang‹ hat Wulf Kirsten sein Thema gefunden, das Feld, das er seither mit wachsender Meisterschaft bestellt: die Landschaft seiner Heimat und ihre Geschichte. Ob in den Sammlungen ›die erde bei meißen‹, ›Stimmenschotter‹ und ›Wettersturz‹ oder den Prosabänden ›Die Schlacht bei Kesselsdorf‹ und die ›Prinzessinnen im Krautgarten‹: Sie alle verdanken ihre Faszination der Legierung von Landschaft und Historie, die in den Boden eingerückt ist wie die Spur von Wagenrädern und Pflugscharen. Die Sprache des Dichters bricht sich an den Unebenheiten, Verwerfungen, Widerständen dieser ›erdlebenbilder‹; sie ist ganz dem sinnlich konkreten Detail verschrieben: »auf wortwurzeln fasse ich fuß«. Ihre stärkste Ausdruckskraft gewinnt sie da, wo das Ich die - auch reale, den politischen Verhältnissen geschuldete - Enteignung seiner Heimat erfährt. Sie reicht vom Verlust der ländlichen Welt, die mit der Kindheit nicht nur für den Dichter unterging, bis zur heillosen Verwüstung der Natur durch einen menschenverachtenden Fortschritt und macht Kirstens Lyrik zu einem ebenso unsentimentalen wie hinreißenden Nach-Ruf auf das in ihr überlebende Naturgedicht. In seinen Gedichten und in seiner Prosa wird Kirsten zum Chronisten eines Alltags und einer Heimatwelt, die nicht mehr existent ist, und gerade weil er beides so eindrücklich und mitunter spröde beschreibt, trifft er das Herz des Lesers.«

Biographie:
Wulf Kirsten wurde am 21. Juni 1934 in Klipphausen bei Meißen geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre, Tätigkeiten als Bauhilfsarbeiter, Buchhalter und Sachbearbeiter, besuchte er von 1957 bis 1960 die Arbeiter- und Bauern-Fakultät Leipzig, wo er das Abitur ablegte und anschließend Pädagogik studierte. 1964/65 arbeitete er als Lehrer und Referent für Bauwesen und Investitionen in Freiburg/Sachsen. Wulf Kirsten lebt seit 1965 in Weimar, bis 1987 war er Lektor im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar; seitdem ist er freischaffender Schriftsteller, unterbrochen von der Tätigkeit als Sekretär der Deutschen Schillerstiftung 1990-1993.

Auszeichnungen:
  • 1985 Johannes R. Becher-Preis
  • 1987 Peter-Huchel-Preis
  • 1989 Heinrich-Mann-Preis
  • 1992 Stadtschreiber in Salzburg
  • 1994 Elisabeth-Langgässer-Preis der Stadt Alzey
  • 1994 Weimar-Preis
  • 1999 Stadtschreiber in Dresden
  • 1999/2000 Stadtschreiber in Bergen Enkheim
  • 2000 Marie-Luise-Kaschnitz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing
  • 2002 Schiller-Ring der Deutschen Schillerstiftung
  • 2004 Eichendorff-Preis
  • 2005 Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung
Veröffentlichungen:
  • Satzanfang. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag 1970
  • Der Bleibaum. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag 1977 (Edition Neue Texte)
  • Die Erde bei Meißen. Leipzig: Reclam Verlag 1986; veränderte Ausgabe: Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1987
  • Stimmenschotter. Zürich: Ammann Verlag 1993
  • Wettersturz. Zürich: Ammann Verlag 1999
  • Zwischen Standort und Blickfeld. Gedichte und Paraphrasen. Warmbronn: Verlag Ulrich Keicher 2001
  • Erdlebenbilder. Gedichte aus 50 Jahren. Zürich: Ammann Verlag 2004
  • Die Schlacht bei Kesselsdorf/Kleewunsch. Berlin und Weimar: Aufbau Verlag 1984 (weitere Auflagen 1987, 1990)
  • Die Prinzessinnen im Krautgarten. Zürich: Ammann Verlag 2000 (Taschenbuchausgabe München: Piper Verlag 2003)
  • Der Berg über der Stadt. Zwischen Goethe und Buchenwald. Texte. Ein Fotobuch von Harald Wenzel-Orf. Zürich: Ammann Verlag 2003
  • Steinmetzgarten. Zwei Erzählungen. Warmbronn: Verlag Ulrich Keicher 2004
  • Textur. Reden und Aufsätze. Zürich: Ammann Verlag 1998