Der Preis
Verleihung
Stiftung
Akademie
Stadt Koblenz
Joseph Breitbach
Aktuelles
Werkausgabe
Kontakt
Links
Joseph-Breitbach-Preis.de Impressum
PREISTRÄGERJURYFOTOSSTATUT

2000: Ilse Aichinger

Die Jury des Joseph-Breitbach-Preises, den die Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und die Stiftung Joseph Breitbach gemeinsam vergeben, hat in ihrer Sitzung vom 8. Juli 2000 die diesjährigen Preisträger Ilse Aichinger, W.G. Sebald und Markus Werner benannt. Der Preis des Jahres 2000 ist mit insgesamt 255.000 DM dotiert und wird zu gleichen Teilen verliehen. Die Verleihung fand am 22. September 2000 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, statt.

Begründung der Jury:
»Am Beginn von Ilse Aichingers außerordentlichem Werk steht der Roman ›Die größere Hoffnung‹. Es folgten Erzählungen, Hörspiele, Dialoge, Gedichte, Aufzeichnungen - strenge, hellsichtige, unerhört konzentrierte, oft geisterhaft wirkende Arbeiten, die das Schweigen zugleich brechen und bewahren, das scheinbar Bekannte wieder unbekannt werden lassen.«

Biographie:
Ilse Aichinger wurde 1921 mit ihrer Zwillingsschwester als Tochter einer Ärztin in Wien geboren. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie nach der frühen Scheidung ihrer Eltern mit Schwester und Mutter bei der Großmutter und in Klosterschulen. 1938, nach der Annexion Österreichs, verlor die jüdische Mutter Praxis und Wohnung. Die Schwester konnte 1939 noch fliehen, der Kriegsausbruch verhinderte die Ausreise der restlichen Familie. Die Großmutter und die Geschwister der Mutter wurden 1942 deportiert und ermordet. Ilse Aichinger und ihre Mutter erhielten in direkter Nähe der Gestapo in Wien ein Zimmer zugewiesen; beide waren dienstverpflichtet. Nach Kriegsende studierte sie fünf Semester Medizin. 1947 brach sie das Studium ab und schrieb den Roman ›Die größere Hoffnung‹. Seit 1949 Lektorin in Wien, später in Frankfurt; Mitglied der Gruppe 47. 1953 heiratete sie Günter Eich, lebte in Niederbayern, in Portugal, im bayrisch-österreichischen Grenzland. 1954 und 1957 Geburt ihrer Kinder. 1963 Umzug nach Großgmain bei Salzburg. 1972 starb Günter Eich. 1984, nach dem Tod der Mutter, zog Ilse Aichinger nach Frankfurt, seit Ende 1988 lebt sie in Wien.

Auszeichnungen:
  • 1971 Nelly-Sachs-Preis
  • 1979 Georg-Trakl-Preis
  • 1982 Petrarca-Preis
  • 1983 Franz-Kafka-Preis
  • 1988 Preis der Weilheimer Schülerjury
  • 1991 Solothurner Literaturpreis, Manès-Sperber-Preis und Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie
  • 1992 Literaturpreis des Landes Steiermark
  • 1995 Österreichischer Staatspreis für europäische Literatur
  • 2002 Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels
Veröffentlichungen:
  • Die größere Hoffnung. Roman. Amsterdam: Bermann Fischer 1948 (spätere Ausgaben bei S. Fischer und im Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main)
  • Rede unter dem Galgen. Erzählungen. Wien: Jungbrunnen 1952. Später unter dem Titel: Der Gefesselte. Erzählungen. Frankfurt am Main: S. Fischer 1953
  • Zu keiner Stunde. Szenen. Frankfurt am Main: S. Fischer 1957
  • Besuch im Pfarrhaus. Hörspiel und Dialoge. Frankfurt am Main: S. Fischer 1961
  • Wo ich wohne. Erzählungen, Dialoge, Gedichte. Frankfurt am Main: S. Fischer 1963
  • Eliza Eliza. Erzählungen. Frankfurt am Main: S. Fischer 1965
  • Nachricht vom Tag. Erzählungen. Frankfurt am Main: S. Fischer 1970
  • schlechte wörter. Frankfurt am Main: S. Fischer 1976
  • verschenkter Rat. Gedichte. Frankfurt am Main: S. Fischer 1978
  • Kleist, Moos, Fasane. Frankfurt am Main: S. Fischer 1987
  • Hörspiele (u.a.): Nachmittag in Ostende, 1968; Die Schwestern Jouet, 1969; Auckland, 1969.
  • Im Fischer Taschenbuch Verlag erschien 1991 die Werkausgabe: Ilse Aichinger in acht Bänden, herausgegeben von Richard Reichensperger.